Hallo zusammen, auf der BAE spielt ja auch die Siedlung Schluft im Siebertal eine wichtige Rolle. Zur Schluft möchte ich gern einige historische Zeilen schreiben. Mögen sie den Mitgliedern des BAE-Clubs ins Gedächtnis kommen, wenn sie diese Stelle ihrer Modellbahn-Anlage befahren! Wer einmal vor über 35 Jahren, damals noch mit dem Auto möglich, durch das Siebertal gefahren ist, der kam an einem mächtigen Forsthaus vorbei. Es war das einzige Gebäude in diesem Teil des Tals und führte als einziges noch diesen Namen: das Forsthaus Schluft.
Im 17. Jahrhundert gab es in der Nähe dieses Gebäudes schon einmal ein Haus, besser gesagt ein Hüttenwerk: das zur „Schwarzen Schluft“. Es steht schon seit ca. 1657 nicht mehr, aber da wo es stand, am Eingang zum Sonnental, zeugen noch einige Schlackenhalden sowie ein verfallener Stollen davon. Der Name „Schluft“ leitet sich von Schlucht ab. Die benachbarten Täler mit ihren engen und bizarren Felsformationen haben dem Gebiet die Bezeichnung gegeben. Durch das Tal der Sieber soll auch schon ein sehr alter Fernweg verlaufe sein, der schon 1298 als „Sperreberges Weg“ erwähnt wurde.
Das genaue Alter des Forsthauses habe ich noch nicht herausbekommen können, es soll in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut sein. Früher gingen die Waldarbeiter aus Sieber die 9 km zu Fuß dorthin in ihr Forstrevier zur Arbeit. Nicht täglich, denn sie blieben über die Woche dort in der „Herberge“, wie das Wirtschaftsgebäude an der Försterei genannt wurde. Das Forsthaus selber war immer ein beliebtes Wanderziel gewesen, kreuzen sich hier doch viele Wege. Gäste aus der ganzen Region zog es hierhin, denn das Haus war bewirtschaftet. Daneben war das Haus natürlich auch die Dienstwohnung des Revierförsters. Gleichzeitig war dort jahrelang ein Posthilfsstelle mit einem öffentlichen Fernsprecher untergebracht.
Anfang der 1970er Jahre wurde das Forsthaus im Rahmen einer forstwirtschaftlichen Rationalisierungsmaßnahme geschlossen. Das Gebäude hatte keine Verwendung mehr und war zudem renovierungsbedürftig. Der Verkauf oder die Verpachtung des Anwesens an Privatpersonen, etwa zum Betrieb eines Ausflugslokals, wurde unverständlicherweise seitens der Forstbehörden ausgeschlossen. In einer ungewohnten Schnelligkeit wurde das rund 300 Jahre alte Haus dem Erdboden gleichgemacht. Und das ganze lief im Mai 1974 im Rahmen einer Feuerwehrübung unter den wachsamen Augen der von der Forst dafür beauftragten Wehren aus Sieber und St.Andreasberg ab! Innerhalb weniger Stunden fand das Haus sowie das gegenüberliegende Wirtschaftsgebäude sein Ende. Weniger Jahre später wurde aus das komplette Siebertal für KfZ gesperrt und später dem Nationalpark einverleibt.
Ein Schelm, wer bei diesen Zusammenhängen Böses denkt!
Heute erinnern nur einige Stützmauern und grasüberwachsene Fundamentreste an den früheren Standort. Auch ein kleiner Brunnen, der aus der alten Hauswasserleitung gespeist wird, existiert noch.
Mich hat diese Begebenheit mit dem „warmen Abriss“ eines so alten traditionsreichen Hauses schon als Jugendlicher geärgert. Dieses Anwesen hatte für mich ein so prägnantes herrliches Aussehen und es war für mich immer der Inbegriff des „typischen Forsthauses“!
Für Euch habe ich aus meiner Sammlung von Bildern über das Haus einige typische Ansichten beigefügt.
Hat nicht ein pfiffiger Modellbauer Lust, dieses Gebäude für die BAE-Anlage wieder auferstehen zu lassen?
diese gut gemachte Erinnerung an das alte Forsthaus Schluft zeigt in beklagenswerter Weise die Hochnäsigkeit in der so schnell zu Wohlstand gekommenen Bundesrepublik, wie mit den Kulturgütern, die wie durch ein Wunder dem Inferno dieses noch hochnäsiger vom Zaun gebrochenen Krieges übriggeblieben sind, umgegangen wurde. Es ist auf jeden Fall eine Riesenschande.
Um so mehr verdienen die übergebliebenen, wunderschönen Aufnahmen der aufmerksamen Betrachtung, und auch ich fände die Rekonstruktion, zumindest als Modell, als außerordentlich erstrebenswert. Auf, auf, Ihr angesprochenen Modellbauer. Aber bitte nicht alle auf einmal.
Hallo Jörg, riesiges für deinen Bericht über das alte Forsthaus Schluft im Siebertal. Da steht einiges drin, was ich schon wusste, aber nochmehr, was ich nicht wusste. Ich werde vom BAE-Unterforum aus einen Querlink setzen, damit auch alle Mitglieder des BAE-Clubs mit der gebührenden Kenntnis und Aufmerksamkeit durch Schluft fahren. Zu Sperrung der Siebertalstraße und anderer Straßen im Harz: Wenn alle Touristen, die heute noch im Harz unterwegs sind, diese Straße(n) und die Waldwege benutzen würden, würde weit weniger Schaden und Kosten entstehen, als die Holzerntemaschinen ständig verursachen. Ich könnte da Bilder von Verwüstungen einstellen, dass sich einem die Haare sträuben.Man hat damals ja damit gerechnet, dass die Bäume in den Himmel wachsen und der Tourismus im Harz weiter exponentiell zunimmt. Pustekuchen.
OOK.
Modellbahn ist wunderbar - schmalspurig noch besser
Ich kannte das Forsthaus Schluft bisher nicht und es war interessant darüber zu lesen und die Bilder zu betrachten. Nun will ich mal eine andere Meinung äußern:
Soweit ich weiß, sind Bebauung außerhalb von Ortschaften nicht gestattet. Dieser Grundsatz hat bestimmt damit zu tun, dass die Zersiedlung unserer Landschaft verhindert werden soll. Ich kann mich schwach an ein paar Artikel und Leserbriefe im "Oberharz Observer", der Goslarschen Zeitung, zu Beginn der Neunziger Jahre erinnern, wo Wohngebäude gelegen zwischen Bochswiese und Goslar abgerissen worden sind. Sie standen da noch von früher her und standen im Zusammanhang mit einem alten Betrieb, der aber weggefallen war. Insofern kann ich die Entscheidung der Forst im Siebertal auch verstehen. Nun findet man aber immer wieder alte Häuser einzeln in den Wäldern des Harzes stehen, wie z.B. das Polsterberger Hubhaus, ein Restaurant. Ich kann mir vorstellen, dass hier die Nutzung wechselte bevor obiger Grundsatz manifestiert wurde. Da gilt jetzt sicherlich der Bestandsschutz.
Aber all diese Häuser stehen meist etwas ab vom Schuss und sind nicht unbedingt gut vom automobilen Tagestouristen erreichbar, der den Harz ja langsam doch dominiert. Da ist die Kundschaft schnell spärlich und ich glaube, das wäre dem Fortshaus Schluft nach der Sperrung der Straße genauso passiert. Im Tal, wo die Barytbahn verkehrte, steht auch so ein schönes altes Haus mit Wirtschaftsgebäuden. Ob es ein Fortshaus war, kann ich nicht sagen. Es liegt näher dran an einem von Touris gut besuchten Ort - Bad Lauterberg - und dennoch war es, an dem schönen im Frühsommer, als ich dort aß, ziemlich leer. Jörg, und mir ging es bestimmt wie Dir: Ich fand es dort sehr schön.
Volker, dazu noch ein paar Zeilen von mir: ich finde es nicht in Ordnung, wenn Kultur und Tradition mit Füßen getreten wird. Ein solches Gebäude mit Geschichte und Tradition, mit vorhandener Erschließung an Strom, Telefon und evtl. auch Abwasser u.ä. hätte es damals verdient, dafür eine auf Erhalt basierende Lösung zu finden. Natürlich läßt sich heute schwerlich darüber diskutieren, da wir die Hintergründe von einst nicht genau kennen. Nur: der Harz lebt auch von Wanderzielen. Dass es ein solcher war, der zudem äußerst beliebt und Treffpunkt allsonntäglicher Gästeströme war, läßt sich gut nachlesen.
Fazit von mir: Die Forstverwaltung ist mit dem Abriss den bequemsten und wahrscheinlich billigsten Weg gegangen. Der sollte aber nicht immer der richtig sein; denn wir Menschen haben auch Gemüt, Gefühl und Kultur. Da stehen die Generationen Leute, die dort gewohnt und gearbeitet haben, hinter. genauso wie die, die dort auf der Sonnenterasse Kaffee getrunken und eine Ansichtskarte an Ihre Lieben geschrieben haben mit den Worten: wie schön ist es hier! Also: ein Weg zu suchen, eine realistische Chance für so ein ehrwürdiges Gebäude zu finden, sollte immer der Weg sein, so unbequem er auch werden kann.
Aber vielleicht ist es ja auch versucht worden, wir wissen es nicht.